Aktuelles aus Premnitz

Kulturgeschichte zum Anfassen

12:00 03.04.03
Die Villa am See

Die Villa am See – ein Ort der besonderen Begegnung

Die einstige Direktorenvilla der Premnitzer Pulverfabrik blickt auf eine bunte Geschichte zurück. Nach ehrwürdigem Wohnsitz und Kindergarten, ist sie nun ein Mekka für Freunde der deutschen Kunst des 20.Jahrhunderts.

Ein Glücksfall für die Stadt Premnitz, denn die Besitzer machten aus dem Haus einen Ort der Begegnung, laden zu hochkarätigen Kulturveranstaltungen und Ausstellungen ein. Die Hausherren Ulrike und Stefan Behrens sind leidenschaftliche Kunstsammler. Es geht ihnen nicht nur um die Schönheit der Werke, sondern auch um die geschichtlichen Begebenheiten, die mit ihnen verbunden sind. Werke von Expressionisten und jüdischen Künstlern finden sich hier, die im Dritten Reich als entartet tituliert und ausgesondert wurden.

Die Kunstfledderei endete auch im Nachfolgestaat DDR nicht. Infolge des Kunststreites in den 50er Jahren wurde der Stil des sozialistischen Realismus favorisiert. Eher abstrakt oder zu realistisch arbeitende Künstler hatten es nun schwer, von ihrer Arbeit zu leben und eine entsprechende Würdigung durch Ausstellungen und Aufträge zu erhalten. 

„Das Gute an dieser misslichen Situation war aber, dass gerade diese Künstler sich selbst treu blieben, nicht vom Kunstbetrieb korrumpiert wurden wie hofierte westliche Kollegen und wunderschöne Werke eigenen Stils schufen“, schwärmt Stefan Behrens. Gerade diese unverfremdeten Werke und die Brüche, die mit ihnen einhergingen, schätzt der Kunsthistoriker.

In seiner Sammlung findet sich beispielsweise ein Werk des Künstlers Otto Möhwald (geb. 1933). Es stellt Möhwalds Frau dar, wie sie sich die Haare hochbindet, mit entblößtem Oberkörper. So etwas machten sozialistische Frauen nicht, urteilten die Funktionäre und führten mehrere Frauen zum Beweis in die Ausstellung, die eben diese Meinung bestätigen sollten. Damit war Möhwalds Werk gebrandmarkt. Jahrzehntelang verdiente er sich seinen Lebensunterhalt als Brückenentroster in Halle, bevor mit der Wende sein Talent auch offiziell wieder gewürdigt werden konnte. 1990 wurde er Lehrbeauftragter an der renommierten Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle, 1995 erhielt er eine Professur.

So wie dieses Gemälde hat jedes hier eine besondere Geschichte und zeugt von dem nicht linearen Lebensweg der Schöpfer und den Wirren der deutschen Geschichte.
Skulpturen von Michael Morgner schmücken den Park – sie zeigen den Menschen von Geburt bis Tod

Kunst zum Anfassen

In wechselnden Ausstellungen ermöglicht es Familie Behrens in der Villa am See, diese Werke, die sie aus aller Welt hierher nach Premnitz brachten, zu betrachten, ja sogar anzufassen. Gern führen sie auch Schulklassen und interessierte Gruppen durch ihre Ausstellung.

„Wir wollen eine lebendige Begegnung mit Kunst und würden uns freuen, wenn viele in der Region diese Idee hinter der Galerie mittragen“, 
so Frau Behrens.

Um dies zu befördern, gründeten sie zusammen mit kultur- und kunstinteressierten Menschen der Region den Freundeskreis Villa am See, Kunsthaus Premnitz. Der Kreis ist offen für jeden, der sich einbringen möchte. Eine erste Gelegenheit dazu gibt es beim Sommerfest am 4. Juli 2015, Beginn ist 15:00 Uhr.

Auch auf der Terrasse fügen sich Kunst und Umgebung zusammen.

Veranstaltungen u.a.:

17. April–15. Juni 2015 | Ausstellung:
Halles Beitrag zur Kunst des 20. Jh. Arbeiten von: Hermann Bachmann, Kurt Bunge, Gerhard Hoehme, Herbert Kitzel, Ulrich Knispel, Otto Möhwald und Jochen Seidel u.a. Eintritt frei!

19. September 2015, 19:00 Uhr | Lesung/Gespräch mit Götz Aly

Der renommierte Politikwissenschaftler und Historiker liest aus seinem neuen Buch „Volk ohne Mitte“ (in Zusammenarbeit mit dem Brandenburgischen Literaturbüro) Eintritt: 10,– EUR

 

Villa am See – Deutsche Kunst des 20. Jahrhunderts

Ulrike und Stefan Behrens
Mozartstraße 1
14727 Premnitz (Deutschland)

(03386) 213 96 80

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