Seit dem 1. August 2025 steht Melanie Meister an der Spitze der Stadtwerke Premnitz. Sie kennt das Unter- nehmen wie kaum eine andere. 2004 begann sie dort als erste Auszubildende, arbeitete später im Netzbe- trieb, übernahm die kaufmännische Leitung und war danach Prokuristin.
Die Etappen des Premnitzer Fernwärmeausbaus bis 2030
Im Interview macht sie deutlich, dass der Fernwärmeausbau für sie kein Nebenthema ist, sondern der zentrale Zukunftsbaustein der Stadtwerke. Der Weg in eine klimafreundlichere Wärmeversorgung sei für Premnitz sogar eine besondere Chance. Während viele Stadtwerke nach tragfähigen Lösungen suchen, sieht Melanie Meister für Premnitz einen klaren Vorteil: „Wir machen in Premnitz saubere Wärme aus dem Müll.“ Dass es nach ersten öffentlichen Informationen zunächst ruhiger um das Projekt wurde, lag nach ihren Worten nicht an mangelnder Aktivität. Vielmehr warteten die Stadtwerke auf die entscheidende Förderzusage. Bereits im Dezember 2024 wurde der Antrag bei der BAFA gestellt. Der Zuwendungsbescheid kam erst im Januar 2026. Über ein Jahr lang liefen also Vorbereitungen, Planungen und Abstimmungen im Hintergrund, ohne dass die praktische Umsetzung starten konnte. Melanie Meister beschreibt diese Phase klar. „Wir waren natürlich im Hintergrund tätig und haben alle Planungen, soweit man machen konnte, schon durchgeführt. Nur das Go hatte eben noch gefehlt.“
Zwei Bauabschnitte für 2026
Nun war der Startschuss gefallen. Für 2026 benennen die Stadtwerke zwei klare Bauabschnitte. Erschlossen werden das Alte Zentrum und der Dachsberg. Im Alten Zentrum geht es laut Meister um 349 Wohneinheiten, am Dachsberg um weitere 120. Gebaut werden soll über den Sommer, ab Ende April, damit die neuen Bereiche spätestens bis zur nächsten Heizperiode im Oktober versorgt werden können. Zum Ausbau gehört dabei weit mehr als das Verlegen einzelner Leitungen. Damit die zusätzliche Wärmemenge sicher im Netz ankommt, muss auch die Wärmeübertragerstation in der Friedrich Engels Straße technisch vollständig ertüchtigt werden. Neue Dampfumformer und neue Pumpen sollen dort im Sommer eingebaut werden. Für die Stadtwerke ist das ein zentrales Herzstück des Projekts, denn ohne diese Modernisierung ließe sich das Wachstum des Netzes nicht zuverlässig absichern.
Erdraketen im Einsatz
Auch baulich bringt 2026 interessante Details mit sich. Insgesamt sollen in diesem Jahr 4,6 Kilometer Versorgungsleitung erschlossen werden. Ein Teil der Hauptleitung muss sogar unter den Bahnschienen verlegt werden. Dort kommt eine besondere Bauweise zum Einsatz. Statt eines offenen Grabens werden Schächte hergestellt, von denen aus die Leitung mit einer Erdrakete unterirdisch vorgetrieben wird. Für die Durchführung nannte Meister im Interview die Kalenderwochen 27 bis 28.
Die Etappen bis 2030
Derzeit werden rund 31 Prozent der Wohneinheiten in Premnitz mit Fernwärme versorgt. Nach Abschluss des ersten Bauabschnitts 2026 soll dieser Anteil bereits auf 40 Prozent steigen. Bis 2030 planen die Stadtwerke mit mehr als 50 Prozent. Vorgesehen sind dafür vier Jahresetappen mit jeweils ein bis zwei Bauabschnitten. In 2027 sollen Dachsberg und Im Winkel folgen. Im Jahr 2028 schließen sich weitere Gebäude im Alten Zentrum, ein kleiner Teil am Dachsberg und der erste Abschnitt der Siedlung an. 2029 soll dann der restliche Teil der Siedlung sowie ein weiterer Bauabschnitt am Dachsberg umgesetzt werden.
Genauere Verbrauchsdaten
Weiterhin planen die Stadtwerke eine modernere Steuerungs- und Auslesetechnik an den Hausanschlussstationen. Künftig sollen Verbrauchsdaten viel genauer erfasst werden. Melanie Meister spricht von mehr Transparenz und einer besseren Einordnung des eigenen Heizverhaltens. Statt nur monatlicher Werte soll perspektivisch eine deutlich genauere Auslesung möglich werden. So können Vermieter, Wohnungsunternehmen und Stadtwerke den tatsächlichen Wärmebedarf auf Basis der Verbrauchsverläufe präzise erkennen. Auf dieser Grundlage lässt sich die Heiztechnik gezielt an den Bedarf der Nutzer anpassen, was mittelfristig die Wärmekosten senken kann.
Fernwärme ist die Zukunft
Auch von der aktuellen politischen Debatte um das Gebäudeenergiegesetz lässt sich Melanie Meister in ihrer Linie nicht abbringen. Zwar nehme man wahr, dass manche Kunden nach den jüngsten Signalen wieder verstärkt an neue Gasheizungen denken. Für die konkrete Planung der Stadtwerke ändere sich jedoch nichts. Der Ausbaukurs bleibt bestehen.
Moderne Rohre auf Polybutenbasis
Beim Leitungsbau setzen die Stadtwerke überwiegend auf moderne Kunststoffrohre. Melanie Meister nennt dafür mehrere Gründe. Die Rohre seien leichter, flexibler und einfacher zu verarbeiten. Vor allem aber gehe es auch um Effizienz. Und die vorisolierten Rohre helfen weiterhin Wärmeverluste zu vermeiden und sind korrosionsbeständig.
Planbare und stabile Preise
Für viele Premnitzer entscheidend ist die Frage nachdem konkreten Nutzen. Melanie Meister antwortet darauf ohne großes Zögern. „Planbare und stabile Preise.“ Nach ihrer Einschätzung liegt die Fernwärme aktuell zwar in etwa auf dem Niveau des Gases. Der Unterschied liegt für sie jedoch in der Perspektive. Gaspreise unterliegen starken Marktbewegungen, dazu kommt die weitere CO2-Belastung. Die Fernwärme in Premnitz basiert dagegen zum ganz überwiegenden Teil auf einer lokalen Wärmequelle. Nur ein sehr kleiner Anteil hängt noch an gasbefeuerten Spitzenkesseln. Deshalb sieht Meister hier einen klaren Vorteil für die Zukunft. Fernwärme mache Premnitz unabhängiger von Öl- und Gasimporten und zugleich robuster gegenüber weltpolitischen Krisen. Hinzu kommt ein zweiter Nutzen, der im Alltag oft unterschätzt wird. In den Häusern selbst ändert sich für die Nutzer kaum etwas. Heizkörper und Thermostate bleiben vertraute Bestandteile des Wohnens.
Nun Planungssicherheit für private Hauseigentümer
Für private Hauseigentümer beginnt die neue Phase allerdings noch nicht in diesem Jahr. 2026 stehen zunächst größere Mehrfamilienbereiche im Mittelpunkt. Die ersten privaten Ausbaustufen sind später in der Siedlung vorgesehen. Dort war der Zeitdruck in den vergangenen Monaten besonders spürbar, weil viele Bewohner mit älteren Gas- oder Ölheizungen vor der Entscheidung standen, ihre Anlage zu erneuern oder auf den Fernwärmeanschluss zu warten. Genau diese Unsicherheit zeigt, wie wichtig verlässliche Kommunikation in den kommenden Monaten sein wird. Die Stadtwerke mussten hier bereits um Geduld werben, weil die Förderzusage noch ausstand.

